ISO 2041: Mechanische Schwingungen, Stöße und Zustandsüberwachung – Begriffe

Schwingungssensor

Optischer Sensor (Laser-Tachometer)

Balanset-4

Magnetischer Ständer Größe-60-kgf

Reflektierendes Band

Dynamische Auswuchtmaschine "Balanset-1A" OEM

ISO 2041 ist der maßgebliche Terminologiestandard für den gesamten Bereich der mechanischen Schwingungen, Stöße und Zustandsüberwachung. Es handelt sich dabei gewissermaßen um das Wörterbuch, auf dessen Grundlage der Rest der Fachliteratur verfasst ist: eine einzige, maßgebliche Quelle, die präzise, international vereinbarte Definitionen für Tausende von Begriffen liefert, die in den Bereichen Messtechnik, Signalverarbeitung, Prüfung und Diagnose verwendet werden. Sein Anwendungsbereich ist weitaus umfassender als der eines themenspezifischen Glossars wie ISO 1940-2, die Begriffe ausschließlich für den Bereich des Auswuchtens definiert. Die Norm ISO 2041 bildet hingegen die Grundlage für fast alle anderen Schwingungsnormen, sodass bei Verweisen auf Begriffe wie „Schwingungsstärke“, „Transienten“ oder „Spektrum“ die genaue Bedeutung dieser Begriffe an einer einzigen Stelle festgelegt ist. Der Zweck ist einfach, aber entscheidend: Es soll eine gemeinsame, eindeutige Sprache geschaffen werden, damit Ingenieure, Zuverlässigkeitsspezialisten, Techniker und Forscher weltweit ohne Missverständnisse miteinander kommunizieren können.

1. Warum es eine Terminologienorm gibt

Die Schwingungs- und Zustandsüberwachung befindet sich an der Schnittstelle mehrerer ingenieurwissenschaftlicher Disziplinen – Dynamik, Signalverarbeitung, Werkstoffkunde, Regelungstechnik und Instandhaltungspraxis –, und jede dieser Disziplinen hat ihre eigenen Sprachgewohnheiten mitgebracht. Bleibt dies unberücksichtigt, kann ein und dasselbe Wort für einen Rotordynamiker, einen Laboringenieur und einen Instandhaltungsplaner subtil unterschiedliche Bedeutungen haben. Eine Zeichnungsangabe wie „Spitzenschwingung“ ist mehrdeutig, solange nicht alle Beteiligten sich darüber einig sind, ob damit der tatsächliche Spitzenwert gemeint ist, Spitze-Spitze, oder Effektivwert. Die Norm ISO 2041 beseitigt diese Mehrdeutigkeit, indem sie jeden Begriff einmalig definiert, einschließlich seiner Größe, seiner Einheiten und gegebenenfalls seines mathematischen Symbols. Da es sich um eine normative Referenz Da diese Norm von anderen Standards zitiert wird, ist die Übernahme ihrer Definitionen keine bloße pedantische Formalität – sie ist vielmehr das, was Abnahmekriterien, Verträge und Diagnoseberichte rechtlich und technisch wasserdicht macht.

2. Aufbau der Norm

Die Norm ist als umfangreiches, strukturiertes Glossar aufgebaut, dessen Einträge in thematische Abschnitte gegliedert sind, sodass verwandte Begriffe zusammengeführt sind und aufeinander verweisen. Die Hauptabschnitte und die darin behandelten Kernbegriffe werden im Folgenden beschrieben.

1. Grundlegende Konzepte

Dieser Abschnitt legt den Grundstein für das gesamte Fachgebiet, indem er dessen grundlegendste physikalische Konzepte definiert. Er definiert formal Vibration als zeitliche Schwankung der Größe einer Größe, die die Bewegung oder Lage eines mechanischen Systems beschreibt, wenn diese Größe abwechselnd größer und kleiner als ein gewisser Mittelwert ist. Er unterscheidet Schwingung von shock — eine vorübergehende Anregung, bei der das Gleichgewicht des Systems in einer Zeitspanne gestört wird, die im Vergleich zu seiner Eigenperiode kurz ist — und von oscillation, der Oberbegriff für jede Größe, die sich auf diese Weise hin und her bewegt. Entscheidend ist, dass er auch die drei physikalischen Eigenschaften definiert, die bestimmen, wie ein System schwingt: mass (inertia), die Eigenschaft, die der Beschleunigung widersteht; Steifheit, die Eigenschaft, die Verformungen widersteht; und Dämpfung, die Eigenschaft, die Energie abführt und dazu führt, dass freie Schwingungen abklingen. Die Idee von Freiheitsgrade — die Anzahl der unabhängigen Koordinaten, die zur Beschreibung der Bewegung eines Systems benötigt werden — wird hier ebenfalls vorgestellt.

2. Parameter für Schwingungen und Stöße

In diesem Kapitel werden die Größen definiert, die zur Messung und Beschreibung von Schwingungsbewegungen verwendet werden. Frequenz ist die Anzahl der Zyklen einer periodischen Bewegung pro Zeiteinheit, gemessen in Hertz (Hz). Amplitude ist der Maximalwert der Schwingungsgröße. Die Norm erläutert anschließend die drei primären Bewegungsparameter, die durch Differenzierung und Integration miteinander in Beziehung stehen: Verschiebung (wie weit sich ein Punkt bewegt), Geschwindigkeit (wie schnell es sich bewegt) und Beschleunigung (die Änderungsrate der Geschwindigkeit, die in direktem Zusammenhang mit den auf das System einwirkenden Kräften steht). Außerdem definiert sie die verschiedenen Arten, wie die Amplitude eines realen Signals quantifiziert wird: Spitze-Spitze (die gesamte Schwankungsbreite vom höchsten positiven zum tiefsten negativen Wert), Gipfel (der von Null gemessene Höchstwert) und RMS (Effektivwert), die am häufigsten verwendete Kennzahl für die Gesamtschwingstärke, da sie sich auf den Energiegehalt des Signals bezieht. Diese Definitionen fließen direkt in die geschwindigkeitsbasierten Grenzwerte moderner Schwingstärkenormen wie ISO 20816 (dem Nachfolger der älteren ISO 10816) ein.

3. Messtechnik und Messgeräte

In diesem Abschnitt werden die Bezeichnungen für die Geräte festgelegt, die Schwingungssignale erfassen. Ein Wandler (oder Sensor) wird als ein Gerät definiert, das eine mechanische Größe in ein elektrisches Signal umwandelt. Die Norm definiert dann die gängigsten Sensoren zur Maschinenüberwachung: die Beschleunigungsmesser, ein Kontaktsensor zur Messung der Beschleunigung und der mit Abstand vielseitigste Allzweck-Typ; sowie der Näherungssensor (Wirbelstromsensor), ein berührungsloser Sensor, der die relative Verschiebung zwischen der Sensorspitze und einem leitfähigen Messobjekt, wie beispielsweise einer rotierenden Welle, misst. Der Begriff umfasst auch die zugehörige Signalaufbereitung – Verstärker, Filter – sowie die Hardware und Software zur Datenerfassung, also die Analysatoren, die die Signale verarbeiten und anzeigen. Eine Zeitreferenz wie beispielsweise eine Drehzahlmesser fällt ebenfalls unter diese Kategorie, da es die Drehung der Welle in den einmal pro Umdrehung anfallenden Impuls umwandelt, der als Bezugspunkt für die Phasenmessung dient.

4. Signalverarbeitung und -analyse

In diesem Kapitel wird das mathematische Vokabular definiert, mit dem Rohdaten in diagnostische Informationen umgewandelt werden. Es werden die beiden Hauptbereiche identifiziert: die Zeitwellenform, ein Diagramm, das die Amplitude in Abhängigkeit von der Zeit darstellt, und die Spektrum (Frequenzbereichsdiagramm), ein Diagramm, das die Amplitude in Abhängigkeit von der Frequenz darstellt. Spektralanalyse wird als der Vorgang der Zerlegung eines Zeitsignals in seine Frequenzkomponenten definiert, und der Algorithmus, der dies durchführt, ist der FFT (Schnelle Fourier-Transformation). Auch hier sind die wichtigsten spektralen Merkmale festgelegt: Obertöne (ganzzahlige Vielfache einer Grundfrequenz) und Seitenbänder (Frequenzen, die symmetrisch um eine Mittenfrequenz herum liegen). Das Gleiche gilt für die Konzepte, die eine digitale Messung vor Verzerrungen schützen — Aliasing, die falschen tieffrequenten Anteile, die bei einer zu niedrigen Abtastrate auftreten, und Fensterung, die Gewichtungsfunktion, die zur Verringerung des Spektrallecks angewendet wird.

5. Eigenschaften von Systemen (Modalanalyse)

In diesem Abschnitt werden die Begriffe definiert, die die dynamischen Eigenschaften eines Bauwerks beschreiben. Eine Eigenfrequenz ist eine Frequenz, mit der ein System schwingt, wenn es aus dem Gleichgewicht gebracht und anschließend frei schwingen gelassen wird. Wenn eine externe Anregungsfrequenz mit einer Eigenfrequenz übereinstimmt, Resonanz auftritt – definiert als Zustand maximaler Schwingungsamplitude. Das Kapitel definiert zudem die Fachsprache der experimentellen Modalanalyse, einschließlich Modusform (das charakteristische Auslenkungsmuster, das ein Bauwerk bei einer bestimmten Eigenfrequenz aufweist) und die Frequenzgangfunktion (FRF), ein Maß für das Eingangs-Ausgangs-Verhältnis eines Systems, das zur Bestimmung seiner Eigenfrequenzen und seiner Dämpfung herangezogen wird.

6. Zustandsüberwachung und Diagnose

In diesem letzten Kapitel werden die Begriffe erläutert, die der praktischen Anwendung der Schwingungsanalyse in der Instandhaltung zugrunde liegen. Zustandsüberwachung ist der Prozess der Überwachung eines Parameters des Maschinenzustands (hier: Schwingung), um eine signifikante Veränderung zu erkennen, die auf einen sich anbahnenden Fehler hindeutet. Darauf aufbauend, Diagnose ist der Prozess, bei dem diese überwachten Daten genutzt werden, um den konkreten Fehler, seinen Ort und seinen Schweregrad zu ermitteln. Die Norm führt zudem das zukunftsweisende Konzept von prognostics — die Vorhersage des zukünftigen Maschinenzustands und der verbleibenden Nutzungsdauer. Schließlich werden die statistischen Kennzahlen definiert, die aus einem Schwingungssignal berechnet werden, um Lager- und Getriebefehler im Frühstadium zu erkennen, insbesondere Scheitelfaktor und Kurtosis.

3. Die Einordnung der Norm ISO 2041 im Normenwerk

Die Norm ISO 2041 ist bewusst eher als Leitfaden denn als Verfahren oder Abnahmeregelung konzipiert, und diese Rolle verleiht ihr eine dreifache Bedeutung:

  • Interdisziplinäre Kommunikation: Es bietet eine gemeinsame Sprache für Maschinenbauingenieure, Zuverlässigkeitsexperten, Techniker, Instrumentenbauer und Wissenschaftler, sodass ein Begriff im Konstruktionsbüro, im Prüflabor und bei Wartungsarbeiten dieselbe Bedeutung hat.
  • Grundlagenreferenz für andere Normen: Es bildet das terminologische Rückgrat für fast alle anderen ISO-Dokumente zum Thema Schwingungs- und Zustandsüberwachung. Verfahrensnormen – die ISO 21940-11 Auswuchtungstoleranzen, die Schwellenwerte der ISO 20816-3, die Überwachungsverfahren der ISO 13373-1 und die ISO 17359 Richtlinien zur Zustandsüberwachung – alle stützen sich auf deren Definitionen, anstatt grundlegende Begriffe neu zu definieren.
  • Lerngrundlage: Für alle, die sich in diesem Fachgebiet weiterbilden, ist es die maßgebliche Quelle für die korrekte Terminologie und deckt sich mit dem Wissensbestand, der in Zertifizierungsprogrammen für Fachkräfte geprüft wird, wie zum Beispiel ISO 18436-2.

4. Anwendung des Wortschatzes in der Praxis

Ein Vokabularstandard beweist seinen Nutzen in dem Moment, in dem Ergebnisse festgehalten oder zwischen verschiedenen Personen verglichen werden müssen. Wenn ein tragbares Gerät wie das Balanset-1A wird verwendet, um einen Ventilator oder eine Pumpe in ihren eigenen Lagern auszubalancieren; jede von ihr gemeldete Größe – die 1×-Amplitude und Phase, die Geschwindigkeit in Millimetern pro Sekunde, die verbleibende Restunwucht Unwucht gemäß der Klasse nach ISO 21940-11 geprüft – hat genau die Bedeutung, die ISO 2041 ihm zuweist. Diese einheitliche Definition ermöglicht es, dass ein Diagnosebericht der vor Ort erstellt wurde, auch Monate später von einem externen Zuverlässigkeitsingenieur eindeutig gelesen werden kann und was es zwei Analysten, die unterschiedliche Messgeräte verwenden, ermöglicht, sich darüber zu einigen, ob eine Maschine die Prüfung bestanden hat. In der Praxis bildet das Vokabular die stille Grundlage jeder Messung und verwandelt Zahlen in Aussagen, die jeder auf dieselbe Weise interpretiert.

5. Zugriff auf die vollständige Norm

Die obige Zusammenfassung gibt einen Überblick über den Aufbau und die wichtigsten definierten Begriffe, ersetzt jedoch nicht das Dokument selbst. Die vollständige Norm ISO 2041 enthält den vollständigen Satz formaler Definitionen, mathematischer Symbole, Einheiten sowie den genauen Wortlaut, auf den andere Normen normativ verweisen. Es handelt sich um eine urheberrechtlich geschützte Veröffentlichung, die bei der Internationalen Organisation für Normung oder einer autorisierten nationalen Normungsorganisation erworben werden muss; sie wird regelmäßig überarbeitet, daher sollten Sie bei vertraglichen oder Compliance-Arbeiten stets sicherstellen, dass Sie mit der aktuellen Ausgabe und nicht mit einer älteren Fassung arbeiten. Für das tägliche Lesen und Lernen erläutern die entsprechenden Einträge in diesem Glossar jedes in der Norm genannte Konzept näher.


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Kategorien: GlossarISO-Normen

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