ISO 21940-11: Verfahren und Toleranzen für Rotoren mit starrem Verhalten

Schwingungssensor

Optischer Sensor (Laser-Tachometer)

Balanset-4

Magnetischer Ständer Größe-60-kgf

Reflektierendes Band

Dynamische Auswuchtmaschine "Balanset-1A" OEM

ISO 21940-11 ist die moderne, maßgebliche internationale Norm für das Bilanzierung von starre Rotoren — Rotoren, deren Unwuchtverteilung sich über ihren Betriebsdrehzahlbereich nicht wesentlich ändert. Sie löst offiziell die seit Langem etablierte ISO 1940-1, ab und übernimmt das vertraute Regelwerk jenes Dokuments’, verfeinert die Sprache, erweitert den Katalog der Rotortypen und bietet eine wesentlich explizitere Verfahrensleitung. Ihr vollständiger Titel lautet “Mechanische Schwingungen — Auswuchten von Rotoren — Teil 11: Verfahren und Toleranzen für Rotoren mit starrem Verhalten,” und es ist das Dokument, an das sich ein Ingenieur wendet, wenn eine Auswuchtspezifikation, eine Toleranz oder eine Abnahmeprüfung gegenüber einer anerkannten Referenz verteidigt werden muss.

1. Anwendungsbereich: Was gilt als starrer Rotor?

Die Norm gilt ausschließlich für Rotoren, die aufweisen starres Verhalten. Formal gilt ein Rotor als starr, wenn er in zwei beliebigen Ebenen korrigiert werden kann und seine Restunwucht bei keiner Drehzahl bis zur maximalen Betriebsdrehzahl die angegebene Toleranz nennenswert überschreitet. In der Praxis bedeutet dies, dass sich die Welle unter der Zentrifugalkräfte die er erzeugt, nicht merklich biegt, sodass die bei niedriger Drehzahl gemessene Massenverteilung im Wesentlichen dieselbe ist, mit der die Maschine bei Nenndrehzahl läuft.

Diese Annahme bildet die Trennlinie innerhalb der gesamten ISO 21940-Familie. Wenn ein Rotor sich verbiegt – typischerweise sobald seine Betriebsdrehzahl etwa 70 % seiner ersten Biegeform kritische Geschwindigkeit – versagt das Starrkörpermodell, und stattdessen müssen die Mehrfachdrehzahlverfahren von ISO 21940-12 für flexible Rotoren angewendet werden. Das erklärte Ziel des Starrkörper-Auswuchtens ist es, die Massen Exzentrizität zu reduzieren, bis die Fliehkräfte und Vibration des verbleibenden Unwuchts für den vorgesehenen Einsatzzweck der Maschine akzeptabel gering sind – nicht um einem theoretisch perfekten Gleichgewicht nachzujagen, das weder erreichbar noch wirtschaftlich ist.

2. Festlegen der Auswuchttoleranzen: G-Gütegrade

Dies ist das Kernstück der Norm – das Kapitel, das die Frage beantwortet: “Wie gut muss die Auswuchtqualität sein?” Es führt das international anerkannte Konzept der Auswuchtgüteklassen (G)fort. Ein G-Gütegrad ist eine Konstante, die dem Produkt aus der zulässigen spezifischen Exzentrizität des Rotors e und seiner maximalen Betriebswinkelgeschwindigkeit Ω entspricht:

G = e · Ω   (numerisch die zulässige Bahngeschwindigkeit des Massenschwerpunkts in mm/s)

Die Norm enthält eine umfangreiche, aktualisierte Tabelle mit Hunderten von Rotortypen – von kleinen Elektroankerwicklungen und Schleifspindeln über Pumpen, Lüfter und Werkzeugmaschinenantriebe bis hin zu großen Dampfturbinen und Generatoren – und weist jedem einen empfohlenen Gütegrad zu. Ein Ingenieur entnimmt der Tabelle einen Gütegrad wie G6.3 für eine typische Pumpe oder einen Lüfter, G2.5 für eine Turbine oder einen starren Turbogenerator-Rotor, oder engere Werte für Präzisionsspindeln. Die Norm liefert anschließend die Formel, die diesen Gütegrad in einen praktischen Wert umrechnet: die zulässige Restexzentrizität specific Unwucht epro, die mit der Rotormasse multipliziert die gesamte zulässige Restunwucht in Einheiten wie Gramm-Millimeter ergibt. Da epro = (G × 1000) / Ω gilt, sinkt die zulässige Unwucht mit steigender Betriebsdrehzahl – ein schnell laufender Rotor muss bei gleicher Masse wesentlich präziser ausgewuchtet werden als ein langsam laufender. Unser Rechner für Restunwucht (ISO 21940-11) führt diese Umrechnung direkt aus Gütegrad, Masse und Drehzahl durch.

3. Aufteilung der Toleranz auf zwei Korrekturebenen

Eine einzige Gesamttoleranz reicht nicht aus, um einen realen Rotor auszuwuchten, da die Korrektur in zwei Korrekturebenen. Sobald die zulässige Rest-Unwucht insgesamt bekannt ist, muss sie auf diese beiden Ebenen aufgeteilt werden. ISO 21940-11 stellt dafür explizite Formeln und Vektordiagramme bereit, um dies korrekt durchzuführen. Die Aufteilung erfolgt nicht willkürlich: Sie hängt von der Geometrie des Rotors ab — insbesondere vom axialen Abstand jeder Korrekturebene vom Schwerpunkt und von den Lagerstellen. Eine sachgemäße Zuordnung der Toleranz gewährleistet, dass sowohl die statisch Komponente und die Momentenunwucht kontrolliert werden, sodass die dynamischen Kräfte an den beide Lagern über die gesamte Rotorlänge minimiert werden. Bei einem innenliegenden, symmetrischen Rotor ist die Aufteilung nahezu gleichmäßig; bei asymmetrischen oder außenliegenden Geometrien kann sie deutlich ungleich sein. Die begleitende Anleitung zu wie die zulässige Rest-Unwucht auf zwei Korrekturebenen aufgeteilt wird führt Schritt für Schritt durch dieselbe Berechnung.

4. Überprüfung der Rest-Unwucht — der Abnahmetest

Nach dem letzten Korrekturgewichte aufgebracht wurden, bestätigt ein Kontrollmesslauf das Ergebnis. Auf einer dedizierten Auswuchtmaschine wird die verbleibende Unwucht in jeder Korrekturebene gemessen und mit den im vorherigen Schritt abgeleiteten individuellen Toleranzen pro Ebene verglichen. Der Rotor besteht die Prüfung nur dann, wenn die gemessene Rest-Unwucht in beide Ebenen gleich oder unterhalb der Toleranz liegt — ein Bestehen in einer Ebene und ein Knapp-Versagen in der anderen gilt als Nichtbestehen. Die Norm betont, dass das Prüfinstrument ordnungsgemäß kalibriert sein muss und etwaige Fehler durch Werkzeuge (Dorne, Adapter, Antriebselemente) berücksichtigt werden müssen, da eine unkorrigierte Werkzeugexzentrizität ein Bestehen verschleiern oder vortäuschen kann.

Ist der Rotor bereits eingebaut, erfolgt dieselbe Überprüfung vor Ort anstatt in einer Auswuchtgrube. Ein tragbarer Zwei-Kanal-Analysator wie der Balanset-1A misst die 1× Amplitude und Phase in den eigenen Lagern der Maschine bei Betriebsdrehzahl misst und die Einflusskoeffizientendes Rotors berechnet und bestätigt, dass die Rest-Schwingung innerhalb der gewählten ISO 21940-11-Güte liegt — und dabei den tatsächlichen eingebauten Zustand erfasst, einschließlich Montage- und Wärmeeinflüssen, die eine Werkstattmaschine nie sieht.

5. Berichterstattung und Rückverfolgbarkeit

Die Norm schließt mit der Festlegung des Mindestinhalts eines formalen Auswuchtberichts, damit die Ergebnisse rückverfolgbar und eindeutig sind. Ein normkonformer Bericht dokumentiert die administrativen Details (Datum, Bediener), eine vollständige Identifikation des Rotors (Teile- und Seriennummern) sowie die wesentlichen Auswuchtparameter: die angegebene Auswuchtgüteklasse, die maximale Betriebsdrehzahl und die Rotormasse. Entscheidend ist, dass sowohl die anfängliche Unwucht als auch die abschließend gemessene Rest-Unwucht für jede Korrekturebene dokumentiert werden und belegt wird, dass jede unterhalb der berechneten Toleranz liegt. Das Ergebnis ist ein dauerhafter, nachprüfbarer Nachweis, dass der Rotor normgerecht ausgewuchtet wurde.

6. Was sich gegenüber ISO 1940-1 geändert hat

  • Direkter Nachfolger: ISO 21940-11 ist der offizielle Nachfolger von ISO 1940-1. Die grundlegenden Prinzipien und die zentrale Beziehung G = e·Ω sind unverändert, sodass ältere Spezifikationen, die auf “G6.3 per ISO 1940-1” verweisen, direkt auf das neue Dokument übertragen werden können.
  • Stärkere Betonung des Prozesses: Die neue Ausgabe behandelt das Wuchten als durchgängigen Arbeitsablauf — Toleranz festlegen, auf die Ebenen aufteilen, das Ergebnis prüfen und dokumentieren — und nicht als einzelnen Toleranzwert.
  • Erweiterte Tabellen und klarere Anleitungen: Die G-Klassen-Maschinentabellen umfassen nun mehr Rotortypen, und die Verfahrens- und Aufteilungshinweise sind präziser formuliert.
  • Bessere Integration: Die Norm fügt sich nahtlos in die übrige ISO 21940-Reihe ein — Teil 12 für flexible Rotoren und Teil 13 für In-situ-Auswuchten — und verweist auf die aktuelle ISO 20816 Reihe für Schwingungsgrenzwerte im Betrieb.
  • Die Annahme des starren Rotors bleibt die entscheidende Voraussetzung: Das gesamte Dokument gilt nur, solange sich der Rotor starr verhält; sobald er sich im Betrieb biegt, muss der Analyst zu Teil 12 wechseln.

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Kategorien: GlossarISO-Normen

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