Was ist ISO 20816-1?

ISO 20816-1:2016 (Vollständiger Titel: "Mechanische Schwingungen – Messung und Bewertung von Maschinenschwingungen – Teil 1: Allgemeine Richtlinien") ist die aktuelle internationale Norm, die den Rahmen für die Messung und Bewertung von Maschinenschwingungen vorgibt. Sie wurde 2016 veröffentlicht und ersetzt zwei ältere Grundlagennormen, die seit den 1990er-Jahren galten.

Die bedeutendste Änderung ist die Vereinigung Zusammenführung zweier zuvor getrennter Messphilosophien in einem einzigen, zusammenhängenden Dokument:

  • ISO 10816-1 — abgedeckte Vibration gemessen an nicht rotierende Teile (Lagergehäuse, Maschinengehäuse) unter Verwendung seismischer Sensoren (Beschleunigungsmesser).
  • ISO 7919-1 — abgedeckte Vibration gemessen an rotierende Wellen unter Verwendung von berührungslosen Näherungssensoren.

ISO 20816-1 vereint beide Ansätze in einem Rahmenwerk und erkennt an, dass eine umfassende Maschinenbewertung häufig beide Messarten erfordert. Eine Maschine kann beispielsweise akzeptable Gehäuseschwingungen, aber gefährliche Wellenbewegungen aufweisen (was auf ein rotordynamisches Problem hindeutet), oder umgekehrt (was auf ein strukturelles Problem/Fundamentproblem hindeutet). Nur durch die Bewertung beider Aspekte lässt sich ein vollständiges Bild gewinnen.

💡 Wichtigste Erkenntnis

ISO 20816-1 ist eine allgemeine Richtlinien Dokument. Es definiert das Konzepte, Methodik und Bewertungsrahmen (Zonen, Kriterien, Messarten), enthält aber keine spezifischen numerischen Grenzwerte. Die tatsächlichen Zonengrenzwerte für spezifische Maschinentypen finden sich in den anderen Teilen der Normenreihe (ISO 20816-2 bis 20816-9). Für die meisten Industriemaschinen gilt Folgendes:, ISO 20816-3 liefert die Zahlen.

Was der Standard abdeckt

  1. Umfang und Messarten — definiert sowohl die Gehäuse- als auch die Wellenschwingungsmessmethoden
  2. Instrumentierungsanforderungen — Sensortypen, Frequenzbereiche, Kalibrierung, Montagenormen
  3. Bewertungskriterien — der Zwei-Kriterien-Ansatz (absolute Grenzwerte + Veränderung gegenüber dem Ausgangswert)
  4. Bewertungszonen — das Vier-Zonen-Klassifizierungssystem (A, B, C, D)
  5. Kombinierte Bewertung und Akzeptanz — wie man beide Messarten zusammen verwendet, Abnahmeprüfung vs. Betriebsüberwachung

Die komplette ISO 20816-Serie

ISO 20816 ist eine mehrteilige Norm. Teil 1 liefert den allgemeinen Rahmen; die anderen Teile legen spezifische numerische Grenzwerte für verschiedene Maschinenkategorien fest.

ISO 20816-Reihe — Alle Teile
TeilTitel / UmfangErsetztStatus
20816-1Allgemeine LeitlinienISO 10816-1 + ISO 7919-1Veröffentlicht 2016
20816-2Landbasierte Gasturbinen, Dampfturbinen, Generatoren >40 MWISO 10816-2 + ISO 7919-2Veröffentlicht 2017
20816-3Industriemaschinen mit einer Leistung von >15 kW und einer Drehzahl von 120–15000 U/minISO 10816-3 + ISO 7919-3Veröffentlicht 2022
20816-4Gasturbinengetriebene Aggregate (ausgenommen Flugzeugderivate)ISO 10816-4 + ISO 7919-4Veröffentlicht 2018
20816-5Hydraulische Maschinensätze einschließlich Pumpen >15 kWISO 10816-5 + ISO 7919-5Veröffentlicht 2018
20816-6Hubkolbenmaschinen >100 kWISO 10816-6Veröffentlicht 2016
20816-7Rotodynamische Pumpen (industriell, einschließlich Messungen an rotierenden Wellen)ISO 10816-7Veröffentlicht 2017
20816-8HubkolbenkompressorsystemeISO 10816-8Veröffentlicht 2018
20816-9GetriebeNeu (kein Vorgänger)Veröffentlicht 2020
20816-21Onshore-Windkraftanlagen (horizontale Achse, ≥100 kW)NeuVeröffentlicht 2015
⚠️ ISO 10816-3 vs. ISO 20816-3

ISO 10816-3:2009 wurde mit der Veröffentlichung von ISO 20816-3:2022 offiziell zurückgezogen. Die Zonengrenzen nach ISO 10816-3 werden jedoch in der Industrie weiterhin häufig verwendet, da sie etabliert sind und die meisten Überwachungssysteme entsprechend konfiguriert werden. Die Grenzwerte für Gehäuseschwingungen in ISO 20816-3 sind denen von ISO 10816-3 sehr ähnlich (in vielen Fällen identisch). Wenn Ihr bestehendes Überwachungsprogramm die Werte nach ISO 10816-3 verwendet, besteht kein dringender Änderungsbedarf – Neuinstallationen sollten sich jedoch an ISO 20816-3 orientieren.

Messarten

ISO 20816-1 vereinheitlicht formal zwei grundlegend verschiedene Messansätze. Das Verständnis dieses Unterschieds ist für die korrekte Anwendung entscheidend.

Gehäusevibrationen (nicht rotierende Teile)

  • Was: Vibration der stationären Maschinenstruktur – Lagergehäuse, Sockel, Rahmen, Gehäuse.
  • Sensor: Seismische Wandler – piezoelektrische Beschleunigungsmesser (am häufigsten) oder Geschwindigkeitswandler – werden pro Zylinder am Lagergehäuse montiert. ISO 5348.
  • Parameter: Breitband-RMS-Geschwindigkeit In mm/s (oder in einigen Regionen in/s).
  • Frequenzbereich: 10–1000 Hz Standard; 2–1000 Hz für langsam laufende Maschinen (<120 U/min).
  • Was es Ihnen sagt: Die in die Maschinenstruktur übertragene Schwingungsenergie spiegelt die auf die Lager wirkenden Kräfte und die Strukturreaktion wider. Sie korreliert direkt mit der Lagerermüdung und dem Risiko von Strukturschäden.
  • Ausrüstung: Die Balanset-1A misst die Breitband-RMS-Geschwindigkeit im Vibrometer-Modus (F5) und eignet sich daher direkt für die Gehäusebewertung nach ISO 20816.

Wellenschwingungen (rotierende Teile)

  • Was: Dynamische Verschiebung der Welle relativ zum Lagergehäuse – wie stark sich die Welle innerhalb ihres Lagerspiels tatsächlich bewegt.
  • Sensor: Berührungslose Wirbelstrom-Näherungssensoren, die typischerweise in orthogonalen Paaren (XY) an jedem Lager gemäß API 670 installiert werden.
  • Parameter: Spitze-zu-Spitze-Verschiebung In μm (Mikrometer) oder Mil (1 Mil = 25,4 μm).
  • Frequenzbereich: Vorwiegend wellensynchrone (1×) und untersynchrone Komponenten.
  • Was es Ihnen sagt: Das tatsächliche dynamische Verhalten des Rotors – Bahnform, Drehrichtung, Reibungskontakt – ist entscheidend für die Erkennung von Wellenverbiegung, Ölwirbeln, Dichtungskontakt und Fehlausrichtungen, die sich möglicherweise nicht effizient auf das Gehäuse übertragen.
  • Ausrüstung: Fest installierte Näherungssensoren (in der Regel keine tragbaren Instrumente). Werden hauptsächlich bei großen Turbomaschinen mit Gleitlagern eingesetzt.
Gehäuse- vs. Wellenschwingungen – Vergleich
AspektGehäuse (Nicht rotierende Teile)Welle (rotierende Teile)
SensorBeschleunigungsmesser / GeschwindigkeitswandlerNäherungssonde (Wirbelstrom)
MontageAm Lagergehäuse (außen)Innenlagergehäuse (intern)
ParameterEffektivgeschwindigkeit (mm/s)Spitze-zu-Spitze-Auslenkung (μm)
Frequenzbereich10–1000 Hz (Breitband)Subsynchron zu 1× Drehzahl
Erkennt am bestenUnwucht, Fehlausrichtung, Lockerheit, Lagerfehler, StrukturresonanzWellenverbiegung, Ölwirbel/Ölpeitsche, Dichtungsreibung, Rotorinstabilität, Zustand des Gleitlagers
Typische MaschinenAlle – Ventilatoren, Pumpen, Motoren, Kompressoren, allgemeine IndustrieanlagenGroße Turbomaschinen mit Gleitlagern
Tragbares MessgerätJa (Balanset-1A, tragbare Analysatoren)Nur fest installierte Sonden
StandardreferenzFrüher ISO 10816, jetzt ISO 20816Früher ISO 7919, jetzt ISO 20816
✅ Warum beides wichtig ist

Eine Maschine kann haben Geringe Gehäusevibrationen, aber hohe Wellenverdrängung — Die Kräfte werden nicht auf die Struktur (z. B. ein sehr steifes Lagergehäuse) übertragen, aber die Welle bewegt sich gefährlich innerhalb des Lagerspiels. Umgekehrt, hohe Gehäuseschwingungen bei normaler Wellenverschiebung Dies deutet eher auf ein strukturelles Problem (lockeres Fundament, Resonanz) als auf ein rotordynamisches Problem hin. ISO 20816-1 empfiehlt, nach Möglichkeit beides zu untersuchen, um eine vollständige Diagnose zu stellen.

Instrumentierungsanforderungen

Die Norm legt fest, dass die gesamte Messkette – Messwandler, Verkabelung, Signalaufbereitung und Analysator – kalibriert sein und im erforderlichen Frequenzbereich präzise Messungen durchführen können muss. Wichtige Referenzen:

  • Montage des Beschleunigungsmessers: Pro ISO 5348 — Bolzenmontage bevorzugt, Magnetmontage für die routinemäßige Überwachung akzeptabel, Klebstoffmontage für die dauerhafte Installation.
  • Installation des Näherungssensors: Gemäß API 670 – Anforderungen an Sondenabstand, Oberflächenbeschaffenheit des Zielobjekts, orthogonale Paarorientierung und Kabelführung.
  • Kalibrierung: Die gesamte Messkette wird regelmäßig anhand rückführbarer Standards kalibriert. Das Balanset-1A wird werkseitig kalibriert geliefert und kann anhand bekannter Vibrationsquellen verifiziert werden.

Bewertungszonen A, B, C, D

Das Vier-Zonen-System ist das bekannteste Merkmal der ISO-Vibrationsnormen. Es bietet einen universellen, farbcodierten Rahmen zur Klassifizierung der Vibrationsstärke und zur Festlegung geeigneter Maßnahmen.

Zonendefinitionen und erforderliche Maßnahmen
ZoneFarbeMaschinenzustandErforderliche Maßnahmen
AGRÜNVibrationen neu in Betrieb genommener oder überholter Maschinen. Hervorragender Zustand.Normalbetrieb. Dies dient als Ausgangswert für zukünftige Trendanalysen. Zielzustand nach der Wartung.
BGELBGeeignet für uneingeschränkten Langzeitbetrieb. Normaler Einlaufzustand.Betrieb fortsetzen. Trends beobachten – eine Bewegung in Richtung Zone C erfordert Untersuchung. Für die meisten betriebsbereiten Maschinen akzeptabel.
CORANGEFür den langfristigen Dauerbetrieb ungeeignet. Es treten Fehler auf oder der Zustand verschlechtert sich.Planen Sie Korrekturmaßnahmen. Die Überwachungshäufigkeit erhöhen. Die Ursache ermitteln. Die Wartung zum nächstmöglichen Zeitpunkt einplanen.
DROTSchwerwiegend genug, um Schäden zu verursachen. Risiko eines katastrophalen Versagens.Handeln Sie sofort. Erwägen Sie eine Notabschaltung. Der Betrieb darf nicht fortgesetzt werden – es entstehen Schäden an Lagern, Dichtungen und Bauteilen.

Zonengrenzwerte — Gehäuseschwingungen (ISO 20816-3)

Dies sind die spezifischen numerischen Grenzwerte für Breitband-RMS-Geschwindigkeit an Lagergehäusen, Diese Werte gelten für Industriemaschinen mit einer Leistung über 15 kW und Drehzahlen von 120 bis 15.000 U/min. Sie wurden ursprünglich in ISO 10816-3 festgelegt und mit geringfügigen Aktualisierungen in ISO 20816-3:2022 übernommen.

ISO 20816-3 — Grenzen der Gehäuseschwingungszone (mm/s RMS)
ZonengrenzeGruppe 1
Groß, starr
(>300 kW)
Gruppe 2
Mittel, starr
(15–300 kW)
Gruppe 3
Groß, flexibel
(>300 kW)
Gruppe 4
Mittelgroß, flexibel
(15–300 kW)
A/B2.31.43.52.3
B/C (Alarm)4.52.87.14.5
CD (Reise)7.17.111.211.2
💡 So lesen Sie diese Tabelle

Beispiel: Sie messen einen Effektivwert von 3,2 mm/s an einem 55-kW-Motor, der auf einem Betonboden verschraubt ist. Dies entspricht Gruppe 2 (mittlere Leistung, starres Fundament). Die Grenzwerte A/B betragen 1,4, B/C 2,8 und C/D 7,1. Ihr Messwert von 3,2 mm/s überschreitet den Grenzwert B/C von 2,8, liegt aber unter dem Grenzwert C/D von 7,1, daher befindet sich die Maschine in der Gruppe 2. Zone C — Korrekturmaßnahmen planen. Nutzen Sie den obigen Rechner, um jeden Wert sofort zu überprüfen.

Zonengrenzwerte — Wellenverschiebung (ISO 20816-2)

Bei Turbomaschinen mit Näherungssensoren sind die Wellenverschiebungsgrenzen drehzahlabhängig. Die Norm verwendet eine Formel, die auf der Quadratwurzel des Drehzahlverhältnisses basiert.

Grenzen der Wellenverschiebungszone (Turbomaschinen)
SGrenze = k × √(9000 / n)
k = Zonenkoeffizient (variiert je nach Zonengrenze und Maschinentyp) | n = Wellendrehzahl in U/min
Ergebnis in μm Spitze-Spitze | Höhere Geschwindigkeit → engere Grenzwerte
Näherungsweise Wellenverschiebungsgrenzen — Große Dampf-/Gasturbinen
Zonengrenzek-Faktor@ 1500 U/min@ 3000 U/min@ 6000 U/min@ 10000 U/min
A/B50122 μm87 μm61 μm47 μm
B/C (Alarm)80196 μm139 μm98 μm76 μm
CD (Reise)100245 μm173 μm122 μm95 μm

Die zwei Bewertungskriterien

ISO 20816-1 schreibt vor, dass bei der Schwingungsbewertung Folgendes berücksichtigt werden muss: beide Kriterien gleichzeitig. Die Verwendung nur eines Kriteriums ergibt ein unvollständiges Bild.

Kriterium 1 – Absolute Größe

Vergleichen Sie den gemessenen Vibrationswert mit den festgelegten Zonengrenzen des entsprechenden Teils der ISO 20816. Dies gibt Aufschluss über den Zustand der Maschine im Vergleich zu ähnlichen Maschinen.

  • Verwendungszweck: Abnahmeprüfung neuer/reparierter Maschinen, Bewertung des Ausgangszustands, Einstellen von Auslösealarmen, Vergleich von Maschinen innerhalb einer Flotte.
  • Einschränkung: Eine Maschine, die immer mit 4,0 mm/s (Zone B für Gruppe 1) lief, kann vollkommen in Ordnung sein – das ist ihr normaler Betriebspegel. Kriterium 1 allein gibt keinen Aufschluss darüber, ob sich etwas verändert hat.

Kriterium 2 – Veränderung gegenüber dem Ausgangswert

Vergleichen Sie die aktuelle Vibration mit einem festgelegten Referenzwert (Basiswert). Der Basiswert wird typischerweise nach der Inbetriebnahme, nach Wartungsarbeiten oder als statistischer Mittelwert über einen stabilen Betriebszeitraum gemessen.

  • Verwendungszweck: Trendbasierte vorausschauende Instandhaltung, frühzeitige Fehlererkennung, Erkennung von Verschlechterungen unabhängig vom absoluten Ausmaß.
  • Wichtigste Erkenntnis: Ein bedeutender ändern bei Schwingungen – selbst wenn der Absolutwert noch in Zone A oder B liegt – ist oft die frühester und zuverlässigster Indikator einer sich entwickelnden Störung.
⚠️ Warum Kriterium 2 oft wichtiger ist

Szenario: Eine Pumpe hat einen Ausgangswert von 1,0 mm/s. Innerhalb von drei Wochen steigt dieser Wert auf 2,5 mm/s. Gemäß Kriterium 1 (Gruppe 2) liegt dieser Wert noch in Zone B – "akzeptabel". Gemäß Kriterium 2 hat die Vibration jedoch … um das 2,5-fache erhöht Die Abweichung vom Ausgangswert stellt eine signifikante Veränderung dar, die auf einen sich entwickelnden Fehler hinweist (möglicherweise Lagerverschleiß oder Fehlausrichtung). Ohne Kriterium 2 würde dieser Alarm erst dann erkannt, wenn sich der Zustand der Maschine weiter verschlechtert und sie in Zone C oder D fällt.

Kriterium 1 vs. Kriterium 2 – Vergleich
AspektKriterium 1 — AbsolutKriterium 2 – Veränderung gegenüber dem Ausgangswert
ReferenzFeste Zonengrenzen gemäß StandardDie eigene etablierte Basislinie der Maschine
Am besten geeignet fürAbnahmeprüfung, Flottenvergleich, AuslösealarmeVorausschauende Wartung, frühzeitige Fehlererkennung, Trendanalyse
AlarmauslöserDer Wert überschreitet die B/C-Grenze.Der Wert übersteigt das 2,0- bis 2,5-Fache des Ausgangswerts.
StärkeObjektiver, universeller MaßstabSensibel für Veränderungen, maschinenspezifisch
SchwächeErkennt keine Abweichungen vom "normalen" Ausgangswert.Erfordert einen etablierten Ausgangswert; Fehlalarme bei instabilem Ausgangswert.
In ISO 20816Zonengrenzen A/B/C/D"Schwellenwert für "signifikante Veränderung“ (Standardempfehlung: 2,0–2,5×)

Maschinengruppen (ISO 20816-3)

ISO 20816-3 (und sein Vorgänger ISO 10816-3) klassifiziert Maschinen in vier Gruppen basierend auf Nennleistung und Fundamenttyp. Die Zonengrenzen sind für jede Gruppe unterschiedlich, da größere Maschinen auf flexiblen Fundamenten naturgemäß stärkere Vibrationen aufweisen als kleine Maschinen auf starren Fundamenten.

Maschinengruppenklassifizierung
GruppeLeistungStiftungTypische MaschinenA/BB/CCD
Gruppe 1>300 kWStarrGroße Motoren, Generatoren, Turbokompressoren auf Betonfundament2.34.57.1
Gruppe 215-300 kWStarrStandardmotoren, Pumpen, Ventilatoren auf Beton- oder schwerem Stahlrahmen1.42.87.1
Gruppe 3>300 kWFlexibelGroße Maschinen auf Stahlkonstruktionen, Offshore-Plattformen, Obergeschosse3.57.111.2
Gruppe 415-300 kWFlexibelMittelgroße Maschinen auf flexiblen Rahmen, auf Kufen montierte Ausrüstung2.34.511.2
💡 So bestimmen Sie den Fundamenttyp

Starres Fundament: Die niedrigste Eigenfrequenz des Fundaments liegt deutlich über der Betriebsdrehzahl der Maschine. Konkret: schwere Betonblöcke, dicke Stahlgrundplatte, die mit Beton verfugt ist. Das Fundament verstärkt oder verändert die Vibrationen der Maschine nicht.
Flexible Grundlage: Das Fundament weist Eigenfrequenzen nahe oder unterhalb der Betriebsdrehzahl der Maschine auf. Konkret bedeutet dies: erhöhte Stahlplattform, Leichtbaurahmen, federgelagerte Kufe, Montage im Obergeschoss. Das Fundament kann Schwingungen bestimmter Frequenzen verstärken oder dämpfen.

Im Zweifelsfall hilft ein einfacher Test: Messen Sie die Vibrationen an der Fundamentfläche neben der Maschine. Sind diese deutlich geringer als am Lagergehäuse, ist das Fundament wahrscheinlich starr. Sind sie ähnlich, fungiert das Fundament möglicherweise als flexible Lagerung.

Alarm- und Auslöseschwellenwerte

Die praktische Anwendung von ISO 20816 in Überwachungssystemen erfordert die Festlegung von Alarm (Alarm) und Gefahr (Auslöse-)Sollwerte. Die Norm bietet Richtlinien sowohl für absolute als auch für relative Sollwerte.

Absolute Sollwerte (aus Kriterium 1)

  • Alarm = Grenzwert der B/C-Zone. Bei Überschreitung dieses Wertes der Vibrationsschwelle ist die Überwachung zu intensivieren, die Ursache zu ermitteln und Korrekturmaßnahmen zu planen.
  • Reise = Grenzwert der C/D-Zone. Bei Überschreitung dieses Grenzwerts durch die Vibration erfolgt eine automatische Abschaltung (sofern verfügbar) oder ein sofortiges manuelles Eingreifen zur Schadensverhütung.

Relative Sollwerte (aus Kriterium 2)

  • Relative Alarm = Basiswert × Multiplikator (typischerweise 2,0–2,5×). Eine Verdopplung oder mehr der Vibration gegenüber dem Basiswert deutet auf eine sich entwickelnde Störung hin.
  • Die effektiver Alarm-Sollwert sollte dasjenige sein, welches auch immer untere zwischen dem absoluten und dem relativen Alarm. Dadurch wird sichergestellt, dass das erste verletzte Kriterium den Alarm auslöst.
✅ Praktisches Sollwertbeispiel

Maschine: 75-kW-Motor, starre Fundamentierung (Gruppe 2). Ausgangswert nach Inbetriebnahme: 1,2 mm/s RMS.
Absolute Alarmbereitschaft (B/C-Grenze, Gruppe 2): 2,8 mm/s
Relative Alarmbereitschaft (Basiswert × 2,5): 1,2 × 2,5 = 3,0 mm/s
Effektive Warnung = 2,8 mm/s (der niedrigere der beiden Werte)
Reise (C/D-Grenze): 7,1 mm/s

Wenn die Vibration dieses Motors auf 2,9 mm/s ansteigt, sind beide Kriterien nicht mehr erfüllt – es müssen Maßnahmen ergriffen werden.

Abnahmeprüfung vs. Betriebsüberwachung

ISO 20816-1 unterscheidet klar zwischen zwei Bewertungskontexten:

Abnahmetests

Wird bei der Inbetriebnahme neuer Maschinen oder der Abnahme von Maschinen nach einer Überholung verwendet. Die Anforderung ist typischerweise, dass die Vibrationen innerhalb eines bestimmten Bereichs liegen. Zone A oder Zone B. Dies ist ein striktes Bestehen/Nichtbestehen-Kriterium – eine neue Maschine, die in Zone C geliefert wird, würde normalerweise abgelehnt werden.

  • Die Messbedingungen müssen streng kontrolliert werden (stabile Drehzahl, Volllast, thermisches Gleichgewicht).
  • Mehrere Messwerte an jedem Messpunkt.
  • Die Ergebnisse wurden in einem formellen Abnahmebericht dokumentiert.

Betriebsüberwachung

Wird zur laufenden Zustandsbewertung von Maschinen im Betrieb verwendet. Der Fokus verschiebt sich von Bestanden/Nicht bestanden zu Trend- und Veränderungserkennung (Kriterium 2). Alarm- und Auslöseschwellenwerte sind die wichtigsten Instrumente.

  • Tragbare, routenbasierte Datenerfassung (Balanset-1A) oder permanente Online-Überwachung.
  • Einheitliche Messpunkte, -bedingungen und -verfahren für einen validen Trendvergleich.
  • Handlungsentscheidungen basieren sowohl auf der absoluten Zone als auch auf der Trendrichtung.

Migration von ISO 10816 zu ISO 20816

Viele Betriebe beziehen sich in ihren Verfahren, Überwachungsdatenbanken und Spezifikationen weiterhin auf ISO 10816. Hier erfahren Sie, was Sie über den Übergang wissen müssen.

Migrationsübersicht ISO 10816 → ISO 20816
Old StandardNeuer StandardAuswirkungen auf die Zonenwerte
ISO 10816-1:1995ISO 20816-1:2016Allgemeine Richtlinien – keine numerischen Werte zu ändern
ISO 10816-2:2009ISO 20816-2:2017Einige Grenzwerte für moderne Turbomaschinen überarbeitet
ISO 10816-3:2009ISO 20816-3:2022Die Strömungsgeschwindigkeitsgrenzen im Gehäuse bleiben weitgehend unverändert; die Grenzwerte im Schacht wurden hinzugefügt.
ISO 10816-4:2009ISO 20816-4:2018Aktualisiert mit Kriterien für die Wellenverschiebung
ISO 10816-5:2000ISO 20816-5:2018Überarbeitet für hydraulische Maschinen
ISO 10816-6:1995ISO 20816-6:2016Kleinere Aktualisierungen für Hubkolbenmaschinen
ISO 10816-7:2009ISO 20816-7:2017Aktualisierte Pumpenbewertungskriterien
ISO 10816-8:2014ISO 20816-8:2018Hubkolbenkompressoren – kleinere Änderungen
ISO 7919-1 bis -5Zusammengeführt in die Serie 20816Die Kriterien für die Wellenverschiebung befinden sich nun in denselben Dokumenten wie das Gehäuse.
💡 Praktische Migrationstipps

Für bestehende Überwachungsprogramme: Wenn Ihre Systeme mit ISO 10816-3-Zonenwerten konfiguriert sind, bleiben die Gehäuseschwingungsgrenzwerte in ISO 20816-3 im Wesentlichen unverändert. Eine dringende Neukonfiguration ist nicht erforderlich. Aktualisieren Sie die Referenznummern in der Dokumentation bei Gelegenheit.
Für Neuinstallationen: Als Referenznorm ist ISO 20816-3 (2022) anzugeben. Gegebenenfalls (bei großen Maschinen mit Gleitlagern) sollte die Überwachung der Wellenverschiebung in Betracht gezogen werden.
Für Spezifikationen und Verträge: Aktualisieren Sie die Verweise von "ISO 10816" auf "ISO 20816" in neuen Bestellungen und Wartungsverträgen. Berücksichtigen Sie gegebenenfalls sowohl Gehäuse- als auch Schachtkriterien.

Praktische Anwendung mit Balanset-1A

Die Balanset-1A Der tragbare Schwingungsanalysator unterstützt die Schwingungsbewertung von Gehäusen gemäß ISO 20816 direkt durch seine integrierten Messmodi.

Vibrometer-Modus (F5)

Maßnahmen Breitband-RMS-Geschwindigkeit — der in ISO 20816 für Gehäuseschwingungen festgelegte genaue Parameter. Anzeige:

  • V1s (Gesamtschwingung) — direkter Vergleich mit den Zonengrenzen
  • V1o (1× Drehzahlkomponente) – gibt an, welcher Anteil der Gesamtschwingung auf Unwucht zurückzuführen ist.
  • Beide Kanäle gleichzeitig – Nah- und Fernpeilung in einer Messung

Spektrumanalysator (F1 / F8)

Zeigt das FFT-Frequenzspektrum an, sodass Sie die Quelle von starken Vibrationen (Unwucht bei 1×, Fluchtungsfehler bei 2×, Lagerschäden bei charakteristischen Frequenzen). Siehe die Leitfaden zur Schwingungsanalyse zur Spektruminterpretation.

Ausgleichsmodus

Wird eine Vibration als Unwucht (dominanter 1×-RPM-Peak) diagnostiziert, kann das Balanset-1A sofort mit dem Auswuchten vor Ort beginnen, um diese zu beheben und die Vibration von Zone C oder D wieder in Zone A oder B zu reduzieren. Siehe … Leitfaden für die dynamische Feldauswuchtung für die vollständige Vorgehensweise.

Arbeitsablauf: Messen (F5) → Zone diagnostizieren → Wenn Zone C/D und 1× dominant → Spektrum analysieren (F1) → Abgleich → Zurück in Zone A/B überprüfen.

Häufig gestellte Fragen

Worin besteht der Unterschied zwischen ISO 20816 und ISO 10816?

ISO 20816 ersetzt ISO 10816 durch die Zusammenführung von Gehäuseschwingungen (ehemals ISO 10816) und Wellenschwingungen (ehemals ISO 7919) in einem einheitlichen Standard. Die Zonengrenzwerte für Gehäuseschwingungen in ISO 20816-3 ähneln stark denen in ISO 10816-3. Die wichtigste Verbesserung besteht in der Integration beider Messverfahren in einem Dokument.

Ist ISO 10816 noch gültig?

Die Teile der ISO 10816 wurden formell zurückgezogen, da sie durch entsprechende Teile der ISO 20816 ersetzt wurden. Die Schwingungsgrenzwerte sind jedoch weiterhin in bestehenden Überwachungssystemen und Verträgen verankert. Die numerischen Werte für Gehäuseschwingungen bleiben im Wesentlichen unverändert, sodass bestehende, auf ISO 10816 basierende Programme in der Praxis weiterhin ihre technische Gültigkeit besitzen.

Welchen Parameter sollte ich messen – Geschwindigkeit oder Verschiebung?

Für allgemeine Industriemaschinen mit Wälzlagern, die extern gemessen werden (tragbare Messgeräte): Effektivwert der Geschwindigkeit in mm/s. Für große Turbomaschinen mit Gleitlagern und installierten Näherungssensoren: Spitze-zu-Spitze-Wellenverschiebung in μm. Falls beide verfügbar sind, sollten Sie beide auswerten – sie liefern sich ergänzende Informationen.

Wie bestimme ich die Maschinengruppe?

Zwei Faktoren sind ausschlaggebend: die Nennleistung (über oder unter 300 kW) und die Fundamentart (starr oder flexibel). Ein 75-kW-Motor auf einem Betonfundament gehört zur Gruppe 2. Ein 500-kW-Kompressor auf einer Stahlplattform gehört zur Gruppe 3. Siehe dazu den Abschnitt „Maschinengruppen“ weiter oben.

Kann eine Maschine in Zone B noch einen sich entwickelnden Fehler aufweisen?

Ja – genau deshalb gibt es Kriterium 2. Wenn die Ausgangsgeschwindigkeit einer Maschine 0,8 mm/s betrug und auf 2,2 mm/s ansteigt, befindet sie sich zwar noch in Zone B der Gruppe 2 (unter 2,8 mm/s), aber der Anstieg um das 2,75-Fache gegenüber dem Ausgangswert deutet auf ein sich entwickelndes, signifikantes Problem hin.

Welches Schwingungsniveau sollte ich nach dem Auswuchten anstreben?

Nach der Feldausbalancierung sollte man Folgendes anstreben: Zone A (unterhalb der A/B-Grenze für Ihre Maschinengruppe). Für eine Maschine der Gruppe 2 bedeutet dies unter 1,4 mm/s. Balance-Leitfaden beschreibt das Verfahren im Detail.

Welchen Frequenzbereich deckt die Breitband-RMS-Geschwindigkeit ab?

Der Standardfrequenzbereich liegt gemäß ISO 20816-1 bei 10–1000 Hz. Damit werden die häufigsten Fehlersignale erfasst: 1× bis ca. 60× bei einer Maschine mit 1000 U/min (ca. 17 Hz) bzw. 1× bis ca. 20× bei einer Maschine mit 3000 U/min (50 Hz). Langsamlaufende Maschinen (< 120 U/min) nutzen einen erweiterten Frequenzbereich von 2–1000 Hz.

Muss ich das ISO 20816-1-Dokument kaufen, um die Zonenwerte verwenden zu können?

ISO 20816-1 selbst enthält keine spezifischen Zonenwerte – sie definiert lediglich die Methodik. Die Zonengrenzennummern sind in ISO 20816-3 (Für allgemeine Industriemaschinen). Die vollständigen offiziellen Dokumente mit allen Verfahren und Anhängen erhalten Sie bei ISO-Speicher. Die in diesem Leitfaden veröffentlichten Zonenwerte stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen und sind in der Industrie weit verbreitet.


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