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Die zentrale Erkenntnis aus Jahren des Supports: in rund 90% der Fälle von “es lässt sich nicht auswuchten” ist der Übeltäter ein mechanischer Defekt der Maschine oder eine Resonanz — nicht das Gerät und nicht die Unwucht. Das Gerät misst ehrlich, aber das Auswuchten kann Spiel, einen Riss oder eine Resonanz nicht heilen.
Der Diagnosebaum
Arbeiten Sie die Schritte von oben nach unten durch.
Schritt 1. Sind die Messwerte überhaupt stabil?
Führen Sie 2–3 Messungen hintereinander bei gleicher Drehzahl durch, ohne etwas zu verändern. Die Amplitude muss sich innerhalb von ~10–20% wiederholen, die Phase innerhalb von ~10–20°.
Die Messwerte “schwimmen” → es ist zu früh zum Auswuchten. Ursachen der Instabilität:
- Lagerspiel — den Rotor mit einem Brecheisen bewegen, Riemen abgenommen.
- Eine gelockerte Struktur — Risse, nicht angezogene Schrauben, wandernde Halterungen, frei hängende Flügel/Rahmen.
- Resonanz — die Drehzahl um 50–100 ändern: Ändert sich die Vibration um ein Vielfaches, befinden Sie sich in oder nahe einer Resonanz.
- Angebackenes/sich lösendes Material auf dem Rotor, wandernde freie Messer.
- Tachometer-Probleme — Doppelauslösungen, Blendung (siehe Kapitel 08): Die Phase springt wegen falscher Markierungen.

Schritt 2. Betrachten Sie das Spektrum (FFT) — wer vibriert?
| Spektrumbild | Wahrscheinliche Ursache | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| 1x dominiert | Unwucht | Auswuchten — Sie sind auf dem richtigen Weg |
| 2x über 1x | Wellenfluchtfehler (60–70%), Lockerheit (20–30%) | Kupplungen/Ausrichtung, Befestigungen prüfen. Erst nach der Behebung auswuchten |
| Ein “Wald” von 3x-, 5x-, 6x-Harmonischen | Mechanische Lockerheit: Schrauben, Passungen, Lagerspiel, ein Riss | Instandsetzung der Maschine |
| Ein großer Peak abseits der Rotationsfrequenz | Eine andere Quelle: eine benachbarte Welle, Riementrieb, Getriebe | Finden Sie heraus, was mit dieser Frequenz rotiert |
| Ein Peak bei einem Netzfrequenz-Vielfachen (300 Hz = 6×50) | Elektromagnetische Störungen durch den Frequenzumrichter | Frequenzumrichter während des Auslaufs abschalten: Peak weg → es ist elektrisch. Erdung, Ferritringe, Filter |
| Der Peak bleibt bei Drehzahländerung an Ort und Stelle | Strukturelle Resonanz oder eine externe Quelle | RunDown, die Auswuchtdrehzahl ändern |
| Ein hochfrequenter “Teppich” | Lager | Lager ersetzen |
| Ein niederfrequenter Peak bei wenigen Hz, nicht 1x | Aerodynamik/Fundament | Beispiel: ein Lüfter, dominiert von ~10 Hz — Kanalaerodynamik, keine Unwucht |






Schritt 3. Resonanzzeichen
- Nach dem Anbringen des berechneten Gewichts ist die Vibration gestiegen;
- das Gerät “verlangt bei jeder Iteration immer mehr Masse”;
- eine kleine Drehzahländerung → eine große Vibrationsänderung;
- die Phase schwankt stark bei Drehzahländerungen.
Lösung:
- Zeichnen Sie ein RunDown-Diagramm (Auslauf)auf: hochdrehen → Antrieb abschalten → das Gerät protokolliert Amplitude und Phase in Abhängigkeit von der Drehzahl. Peaks = Resonanzbereiche; in einem Resonanzbereich macht die Phase einen scharfen “Knick”.

Der RunDown-Bildschirm: oberes Diagramm — Amplitude, unteres — Phase. Der Peak bei ~1100–1300 U/min mit einer scharfen Phasenänderung ist ein Resonanzbereich; wuchten Sie außerhalb davon. 
Ohne RunDown suchen Sie Resonanzen mit dem Vibrometer: Beginnen Sie bei niedriger Drehzahl, erhöhen Sie sie in Schritten von 50–100 U/min und beobachten Sie die Vibration — ein starker Anstieg bei einem Schritt verrät den Resonanzbereich. Reales Beispiel: Von 650 auf 750 U/min stieg die Vibration um das Fünffache → Resonanz nahe 755. Ein weiteres: 70 mm/s bei 1300 U/min, aber 50 bei 1400 → Resonanz nahe 1300; bei 800 auswuchten.

Arbeiten nahe einer Resonanz: 77 mm/s. - Wählen Sie die Auswuchtdrehzahl außen außerhalb der Resonanzbereiche — meist deutlich darunter (600–900 U/min bei Mulchern). Beispiel: Resonanzen bei ~420 und ~644 U/min → Auswuchten bei ~844 U/min; ein anderer Fall: kein Erfolg bei 1600, problemlos bei 1000 U/min.
- Sobald bei “sauberer” Drehzahl ausgewuchtet ist, auf die Arbeitsdrehzahl steigen und feinauswuchten.
- Der radikale Weg: die Steifigkeit der Struktur ändern (Rahmen verstärken, abstützen, Lagerungen ändern). Eine Maschine, die “mit blankem Metall auf Beton” steht, verhält sich oft schlecht — Schwingungsdämpfer/Federn helfen.
Schritt 4. Nichtlinearität — “ich bringe das Gewicht an, aber die Reaktion stimmt nicht”
Anzeichen: Die Reaktion auf ein Gewicht ist unverhältnismäßig; nach dem Entfernen des Gewichts kehrt die Vibration nicht zurück zum Ausgangswert (etwas in der Maschine verschiebt sich/klemmt).
- Installieren Sie die Hälfte oder ein Drittel der berechneten Masse pro Iteration.
- Prüfen Sie, ob das Probegewicht zu groß ist: Die von ihm verursachte Änderung sollte 20–30% betragen, aber nicht mehr als ~100%. Ein zu schweres Probegewicht bricht das lineare Modell und führt zu Überkorrektur.
- Ist die Anfangsvibration sehr niedrig (<1 mm/s), können selbst 100–200 g einen starken Ausschlag verursachen — reduzieren Sie die Probemasse.
- Kehrt die Vibration nach dem Entfernen der Gewichte nicht zurück — suchen Sie nach einem mechanischen Defekt (etwas verschiebt sich: eine Passung, eine Passfeder, ein Riss).

Schritt 5. Prüfen Sie Ihre eigenen Fehler
Gehen Sie Kapitel 09durch. Die häufigsten:
- der Winkel gezählt gegen gegen die Drehrichtung (Symptom: die Vibration hat sich etwa verdoppelt, statt zu sinken);
- Prozent statt Gramm (Radius nicht eingegeben);
- das Kontrollkästchen “Masse entfernen” beim Anschweißen von Gewichten;
- die Tacho-Markierung zwischen den Läufen verschoben;
- Sensoren axial montiert oder X1/X2 vertauscht;
- Drehzahl mitten in der Serie geändert;
- das Probegewicht nicht entfernt, obwohl das Programm davon ausging;
- Auswuchten ohne die Messer/Schlegel, die anschließend montiert wurden.
Schritt 6. In realen Fällen gefundene Defekte
Echte “Übeltäter” aus der Praxis (als das Auswuchten “nicht funktionierte”):
- eine zerstörte Kupplung (Doppelscheibe) — zerbrochene Teile im Inneren, von außen unsichtbar; instabile Vibration;
- eine verbogene Welle — 4–20 mm Schlag; das Auswuchten kompensiert nur teilweise, das Ergebnis ist schlechter als üblich (11 mm/s statt 3);
- Spiel im hinteren Motorlager — ein ~85-Hz-Peak; es wurde auf einen neuen Motor gewartet;
- ein Riss in einer Riemenscheibe;
- gebrochene Mulcher-Konsolen/Halterungen , die nach der Reparatur erneut rissen;
- ein verschlissener Lagersitz — behoben durch Aufschweißen und Nachbearbeiten des Zapfens;
- der Tachometer zählte 2 Riemenscheibenbohrungen als 2 Markierungen — die Drehzahl “verdoppelte” sich, die Berechnung war bedeutungslos;
- Aerodynamik — Kanalsog bei unzureichender Steifigkeit: nichts auszuwuchten; Filter reinigen und die Struktur versteifen;
- der Frequenzumrichter — ein 300-Hz-Peak (6×50), der beim Abschalten des Frequenzumrichters verschwand.
Schritt 7. Wann man aufhören sollte
Manche Maschinen lassen sich im Feld nicht auswuchten, bevor sie repariert sind. Selbst der erfahrene Support hatte in über 10 Jahren nur eine Handvoll Absagen (ein Mähdrescher-Häcksler, ein 2,5-m-Mulchkopf, ein Baggeranbau-Mulcher). Ist die Mechanik defekt — sagen Sie dem Kunden ehrlich: zuerst Reparatur (Lager, Welle, Rahmen), dann Auswuchten. Das ist ein professionelles Fazit, keine Niederlage.
Kurzübersicht: “warum ist die Vibration nach dem Anbringen des Gewichts gestiegen?”
- Falsche Winkelzählrichtung → prüfen Sie, ob Sie in Drehrichtung gezählt haben.
- Das Kontrollkästchen “Masse entfernen” beim Anschweißen → invertiert das Ergebnis.
- Resonanz → RunDown, andere Drehzahl.
- Ein zu großer Schritt (volle Masse an einer nichtlinearen Maschine) → halbe Masse.
- Mechanik (Spiel/Riss) → Instandsetzung.
- Falsche Tacho-Markierungen → die Phase ist falsch, siehe Kapitel 08.